SYNLAB MVZ
Humangenetik Mannheim

Smith-Magenis-Syndrom (SMS)

Ihr regionales Labor für Rückfragen und Beauftragung
Das Smith-Magenis-Syndrom (SMS) ist durch charakteristische körperliche Merkmale (insbesondere grobe Gesichtszüge, die sich mit zunehmendem Alter verschlimmern), Entwicklungsverzögerung, kognitive Beeinträchtigung, Verhaltensauffälligkeiten, Schlafstörungen und bereits im Kindesalter beginnende abdominale Adipositas gekennzeichnet. Säuglinge haben Schwierigkeiten beim Füttern, Gedeihstörungen, Muskelhypotonie, Hyporeflexie, verlängerte Kurzschlafphasen und zeigen allgemeine Lethargie. Die meisten Betroffenen weisen eine leichte bis mittelschwere geistige Behinderung auf. Verhaltensauffälligkeiten, darunter ausgeprägte Schlafstörungen, Stereotypien sowie maladaptives und selbstverletzendes Verhalten, werden in der Regel erst ab einem Alter von 18 Monaten erkannt und verändern sich bis ins Erwachsenenalter. Häufig treten sensorische Probleme, wie Vermeidungsverhalten und das wiederholte Suchen nach bestimmten Geräuschen und Reizen auf, sowie auch Angstzustände und Probleme mit exekutiven Funktionen, wie Unaufmerksamkeit, Ablenkbarkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Zu den unangepassten Verhaltensweisen gehören häufige Wutausbrüche, Geltungsbedürfnis, Opposition, Aggression und selbstverletzendes Verhalten wie Schlagen, Beißen, Hautkratzen, Polyembolokoilamanie und Onychotillomanie. Unter den beschriebenen stereotypen Verhaltensweisen scheint das krampfartige Zusammenpressen des Oberkörpers oder die „Selbstumarmung“ stark mit dem Smith-Maus-Syndrom assoziiert zu sein. Eine zugrunde liegende Entwicklungsverzögerung, insbesondere eine gegenüber der intellektuellen Entwicklung verzögerte emotionale Reife, kann ebenfalls zu unangepassten Verhaltensweisen bei Menschen mit SMS beitragen.
Beim Smith-Margenis-Syndrom handelt sich um eine autosomal-dominante Erkrankung, die typischerweise de novo durch eine intragenische pathogene Variante im RAI1 Gen oder eine das Gen einbeziehende Deletion im Chromosomenbereich 17p11.2 verursacht wird. Die Inzidenz der Erkrankung liegt bei 1:15.000 bis 1:25.000.
Die Therapie umfasst Frühförderprogramme, individuelle sonderpädagogische Förderung für Kinder im Schulalter, Sprach-, Physio-, Ergotherapie und Verhaltenstherapie sowie Unterstützung bei der beruflichen Weiterbildung im späteren Leben. Betroffene können außerdem von überwachten Versuchen mit Psychopharmaka zur Steigerung der Aufmerksamkeit und/oder Reduzierung von Hyperaktivität sowie von der therapeutischen Behandlung von Schlafstörungen profitieren (vgl. GeneReviews, Smith et al., updated 2025, PMID: 20301487).
Material Dauer Akkreditierung
3 - 5 ml EDTA-Blut 4 Wochen ja
Untersuchte Bereiche / Gene
Gen/Region OMIM-P Erbgang Erkrankung Methodik
17p11.2 182290 AD Smith-Magenis-Syndrom (SMS) MLPA-Analyse, SNP-Array
Methodik / Diagnostik
Der Nachweis von Deletionen und Duplikationen in der 17p11.2-Chromosomenregion erfolgt über eine MLPA-Analyse (Multiplex-Ligation-dependent-Product-Amplification). Mittels Polymerasekettenreaktion (PCR) werden die Exons des RAI1-Gens, inklusive angrenzender Intronbereiche, amplifiziert und anschließend direkt sequenziert.
Es wird eine Stufendiagnostik empfohlen:
- Stufe I: MLPA-Analyse von 17p11.2
- Stufe II: DNA-Sequenzanalyse und MLPA-Analyse des RAI1-Gens
Kosten
Die Kosten werden bei bestehender medizinischer Indikation über einen Überweisungsschein Typ 10 (EBM) abgerechnet. Humangenetische Leistungen sind nicht budgetrelevant. Für privatversicherte Patienten sowie private Kostenträger (Krankenhäuser etc.) können auf Wunsch entsprechende Kostenvoranschläge erstellt werden.
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